Der trockenheiße Sommer war alles andere als gewöhnlich: Rekordtemperaturen, zahlreiche extrem warme Tage mit tropischen Nächten und viel zu wenig Regen setzten unseren Wäldern ordentlich zu. Für die Vegetation war das keine normale Stresssituation – viele unserer Bäume zeigten deutliche Notreaktionen. So verfärbten sich die Blätter vieler Laubbäume frühzeitig, nicht aus dem üblichen Herbstgrund, sondern als Alarmzeichen wegen akutem Wassermangel. Auch die Nadelbäume litten: Ältere Nadeljahrgänge wurden abgeworfen – ein deutliches Warnsignal.
Die Schäden sehen wir nicht nur in den Baumkronen. Was oft verborgen bleibt, aber mindestens genauso dramatisch ist, sind die Schädigungen der Wurzeln. Diese feinen Wurzeln sind entscheidend für die Wasseraufnahme aus dem Boden. Wenn im Boden kein Wasser mehr zu finden ist, sterben diese Wurzeln ab. Im schlimmsten Fall reißt sogar die Wassersäule, mit der die Bäume das Wasser vom Boden bis zur Spitze transportieren. Dann trocknet das Holz in den Leitgefäßen aus, die Blätter oder Nadeln reduzieren sich – und der Baum wird schwach und verwundbar gegenüber Schadorganismen.
Das Problem entsteht nicht nur durch den Wassermangel selbst: Viele der Schäden, die wir jetzt an den Bäumen sehen, sind auch Folgen von Borkenkäfern und anderen Schadinsekten, die sich den geschwächten Zustand der Bäume zu Nutze machen und ihre Bruten in den „Notleidenden“ anlegen.
Was heißt das für das nächste Jahr? Wenn weiterhin Trockenheit herrscht, sterben immer mehr Wurzeln ab. Gerade für den Austrieb im Frühjahr brauchen die Bäume jedoch viel Wasser – und neue Wurzeln, die erst wachsen müssen. Leider konnten sich die schädlichen Insektenpopulationen durch die milde Witterung im Sommer und Herbst stark vermehren – im Frühjahr droht daher eine große Belastung für geschwächte Bäume.
Was können Waldbesitzer und Forstbetriebe jetzt tun? Ganz wichtig ist es, über den Winter dürr- und befallene Bäume aufzuarbeiten. Nicht unbedingt die bereits abgestorbenen, sondern vor allem jene, in denen noch Borkenkäfer-Bruten stecken, denn diese Insekten schwärmen im Frühjahr wieder aus. Solche Bäume sind manchmal nur schwer erkennbar, kommen aber oft in der Nähe von klar sichtbaren Schadstellen vor.
Ein kleiner Hoffnungsschimmer: Trotz der Schadjahre sind die Holzpreise noch stabil. Mit Preisen von rund 80 Euro für D-Holz, 90 Euro für CK und 120 Euro für Holz mit Frischequalität BC im Leitsortiment L2b können Forstbetriebe das Schadholz noch zu guten Konditionen verkaufen. Wichtig ist, die Wintermonate für eine möglichst effektive Entseuchung zu nutzen – das heißt: Befallene Bäume schnell einschlagen und verkaufen, bevor es im Frühjahr wärmer wird. Je früher, desto besser!
Für alle Fragen rund um den Wald und Holzverkauf stehen die jeweiligen Revierleitungen jederzeit zur Verfügung. Aktuelle Vorgaben zur Holzaushaltung finden Sie online, und die Forstbetriebsgemeinschaft Landkreis Tuttlingen verschickt außerdem ein praktisches Sortier-Booklet an Mitglieder. Wer Interesse hat, kann einfach eine Mail mit seiner Adresse an uns schicken.
Zusätzlich hält die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg viele weitere hilfreiche Informationen für Waldeigentümer und Waldinteressierte auf ihrer Webseite bereit. Beim Helmholtz-Institut können sie jederzeit einen Blick in den deutschlandweiten Dürremonitor werfen.

