Du willst Holz ernten und brauchst noch Infos dazu?

Nadelrundholz ist ein Naturprodukt. Fichten und Tannen stehen millionenfach in unseren Wäldern und gehören zu den wichtigsten Rohstoffen der Holzindustrie. Kein Baum gleicht dem anderen – jeder geerntete Stamm unterscheidet sich in Dimension und Qualität.

So vielfältig wie die Einsatzmöglichkeiten von Rundholz sind, so unterschiedlich sind auch die Anforderungen der holzverarbeitenden Betriebe. Jedes Werk braucht genau das Rundholz, aus dem sich seine Produkte optimal herstellen lassen. Deshalb wird das Holz direkt im Wald in verschiedene Sortimente eingeteilt. Die höchste Wertschöpfung erzielt der Waldbesitzer dann, wenn das gelieferte Rundholz exakt zu den Bedürfnissen des Käufers passt.

Beim Nadelrundholz ist das Hauptsortiment das Stammholz – in langer oder kurzer Form – meist in der Güteklasse B (oder C). Als Nebensortimente gelten die Stammteile, die deutlich besser (Blockware) oder deutlich schlechter (Verpackungsholz) ausfallen oder nicht für die Sägeindustrie geeignet sind und als Industrieholz (Papierholz, K-Holz) verkauft werden.

Damit Rundholz optimal vermarktet werden kann, werden Stämme desselben Sortiments – also mit ähnlicher Dimension und Qualität – zu Losen zusammengestellt. So entstehen homogene Verkaufseinheiten, die genau zu den Anforderungen eines bestimmten Käufers
passen.

Beim Rücken aus dem Wald landen die Stämme auf einem Polter am Waldweg. Ein Los kann aus mehreren Poltern bestehen. Beim Poltern solltest du ein paar Grundregeln beachten – dazu findest du weitere Infos auf unseren Internetseiten.

Wenn du nur wenig Holz erntest, fallen deine Lose oft kleiner aus und liegen möglicherweise unter der Mindestlosgröße. Um das Holz trotzdem verkaufen zu können, kannst du es gemeinsam mit Holz anderer Waldbesitzer oder in deren Nähe poltern. Bei Kleinmengen musst du allerdings bei vielen Käufern mit Abschlägen rechnen.

Alle Fachbegriffe findest in unserem forstlichen ABC, im Text sind sie kursiv.

Zum Messen von Rundholz brauchst du drei Dinge: eine geeichte Kluppe (also einen Messschieber für Holz), ein Maßband und Forstkreide, damit du deine Messergebnisse direkt am Abhieb anschreiben kannst.

Um die Länge eines Stammes zu messen, hängst du das Bandmaß am dickeren Ende des Stammes ein. Wenn du am Abhieb misst, musst du – sofern vorhanden – in der Mitte des Fallkerbs einhängen. Die Stammlängen werden in der Regel auf volle Meter eingeteilt.

Ist die gewünschte Sortimentslänge erreicht, kommt beim Sägeholz noch das Zumaß dazu. Es beträgt 1 % der Stammlänge, mindestens jedoch 10 cm. Ein 5‑Meter‑Stamm ist also 5,10 m lang, ein 16‑Meter‑Stamm 16,16 m. Das Zumaß wird allerdings nicht vergütet.

Der Durchmesser eines Stammes wird mit der Kluppe gemessen. Dabei wird immer auf den nächsten vollen Zentimeter abgerundet. Bei Durchmessern über 20 cm misst man zweimal über Kreuz, also um 90 Grad versetzt. Beide Werte werden abgerundet, addiert, durch zwei geteilt – und erneut auf den ganzen Zentimeter abgerundet.

Lang

Wenn du dein Holz „lang“ aufarbeitest, bedeutet das:

  • Dein Hauptsortiment ist Langholz – also Stämme in voller Länge.
  • Alle Nebensortimente liegen als Kurzholz vor – kürzere Stücke, die beim Aufarbeiten automatisch mit anfallen.
  • Diese Aushaltung ist typisch für motormanuelle Aufarbeitung – also wenn jemand mit der Motorsäge im Bestand arbeitet.
  • Es fallen nur wenige Stämme bzw. Stammteile an – die Menge bleibt überschaubar.
  • Gerückt wird meist mit Seil- oder Zangenschlepper – ideal für längere Stämme.

Kurz

Wenn du dein Holz „kurz“ aufarbeitest, bedeutet das:

  • Du erzeugst ausschließlich Kurzholz-Abschnitte – also Stämme in fixen, kürzeren Längen.
  • Diese Aushaltung ist typisch für voll- oder teilmechanisierte Aufarbeitung mit Harvestern.
  • Sie wird auch genutzt, wenn die Rückebedingungen schwierig sind, bei schlechter Feinerschließung oder engen Rückegassen.
  • Es fallen viele einzelne Stammteile an – oft musst du das Holz bis zur Rückegasse vorliefern.
  • Gerückt wird meist mit dem Forwarder oder Rückeanhänger
  • Motormanuelle Kurzholzaushaltung solltest du am besten vor dem Hiebsbeginn mit der Revierleitung absprechen.

Der Großteil des Schnittholzes entsteht heute durch spanende Bearbeitung in Profilierzerspanern (PZ). Dabei wird das Rundholz zuerst gefräst und anschließend mit Kreissägen aufgetrennt. Diese Werke haben in der Regel einen maximalen Durchlass von 65 cm.

Kleinere Sägewerke arbeiten häufig mit einem Gatter. Dort bewegen sich mehrere eingespannte Sägeblätter auf und ab, um das Holz zu schneiden. Die Durchlässe liegen hier meist zwischen 65 und 80 cm.

Ist das Holz noch stärker, muss das Rundholz auf Blockbandsägen eingeschnitten werden. Genau deshalb ist der maximale Abhieb so wichtig.

Die Frage nach dem Abhieb entscheidet also, ob du das Holz in ein Massensortiment sortieren kannst – oder ob es in ein Starkholzsortiment fällt, das aufwendiger zu vermarkten ist und für das es weniger potenzielle Käufer gibt.

Hiebe mit Holz, das am Abhieb dicker als 65 cm ist, solltest du vor Beginn unbedingt mit der Revierleitung besprechen.

Die wichtigsten Holzmerkmale für die Qualitätssortierung findest du:

  • am Abhieb
  • entlang des Stammmantels
  • im astigen Kronenbereich

Du arbeitest dich also von unten nach oben entlang des Stamms.

Aber: Die Qualitätsansprache beginnt schon am stehenden Baum, denn viele Merkmale am Stammmantel sind bereits dort gut erkennbar:

  • Wimmerwuchs im unteren Stammteil, manchmal nur einseitig
  • Äste: Steiläste, Starkäste, gehäufte Astquirle
  • Zwiesel
  • (Alte) Verletzungen am Stamm

Nach dem Fällen – zuerst Blick auf den Abhieb

  • Ist Fäule erkennbar?
    • Handelt es sich um Hart- oder Weichfäule?
    • Kann der Motorsägenschlüssel mehr als 3 mm ins Holz gedrückt werden?
  • Sind Risse sichtbar? Kernrisse oder Ringschäle?
  • Gibt es Reaktionsholz oder Exzentrizität?

Beim Entasten – Merkmale entlang des Stammmantels

  • Wimmerwuchs, Insektenbefall, alte Verletzungen, im Gipfelbereich der Tanne: Mistelbefall
  • Qualitätsrelevante Äste
    • Totäste oder Grünäste?
    • Wie häufig treten sie auf? Durchmesser?
  • Form-Merkmale
    • Ist der Stamm stark abholzig?
    • Ist er krumm?
    • Ist Drehwuchs erkennbar?
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